
Zur Veröffentlichung der Luftfahrtstrategie durch Bundeskanzler Friedrich Merz:
BVF, Germanwatch und VCD legen gemeinsame Leitlinien
für eine nachhaltige und zukunftsfähige Luftfahrt vor
Berlin (09. Juni 2026). Die Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BVF), Germanwatch und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) kritisieren die neue Luftfahrtstrategie der Bundesregierung, die von Bundeskanzler Merz am 10. Juni auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin vorgestellt wird, als unzureichend. Die Strategie setze weiterhin vor allem auf Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit des Luftverkehrs, ohne ausreichende Antworten auf die Herausforderungen des Klima-, Gesundheits- und Ressourcenschutzes zu geben. Die drei Verbände haben deshalb gemeinsame Leitlinien für eine nachhaltige und zukunftsfähige Luftfahrtpolitik sowie eine aktualisierte „Agenda klimaneutraler Luftverkehr“ vorgelegt.
„Diese Luftfahrtstrategie ist keine Strategie für die Zukunft, nicht einmal für die nächsten 15 Jahre, für die sie gelten soll“, erklärt Werner Kindsmüller, Präsident der Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BVF). „Sie bleibt einem überholten Wachstumsmodell verpflichtet. Wachstum des Luftverkehrs bedeutet für die Betroffenen mehr Lärm und mehr gesundheitsschädliche Schadstoffe. Das darf nicht die Zukunft sein.“
Anja Köhne, Referentin für klimaneutralen Flugverkehr bei Germanwatch, erklärt: „Die Strategie bleibt hinter den ökologischen, wirtschaftlichen und technologischen Möglichkeiten zurück. Der Hochlauf erneuerbar erzeugter synthetischer Flugkraftstoffe wird nicht ausreichend ambitioniert angepackt. Gleichzeitig werden die besonders klimaschädlichen Nicht-CO₂-Effekte des Luftverkehrs weiterhin vernachlässigt. Gerade hier könnten klimaoptimierte Flugrouten und sauberere Kraftstoffe bereits kurzfristig wirksame Verbesserungen erzielen. Die Bundesregierung muss deutlich ambitionierter handeln, wenn das Ziel eines klimaneutralen Luftverkehrs bis spätestens 2050 erreicht werden soll.“
„Klimaneutralität wird aber nicht allein durch technische Innovationen erreicht“, ergänzt Alfred Schreiber, Luftfahrtexperte des Verkehrsclub Deutschland (VCD). „Dort, wo attraktive Alternativen bestehen, müssen Flugverkehre auf die Schiene verlagert werden. Dafür brauchen wir schnelle und zuverlässige Bahnverbindungen, ein leistungsfähiges europäisches Nachtzugnetz und faire Wettbewerbsbedingungen zwischen den Verkehrsträgern. Steuerprivilegien und klimaschädliche Subventionen des Luftverkehrs gehören auf den Prüfstand. Zudem sollte die öffentliche Finanzierung dauerhaft defizitärer Regionalflughäfen kritisch überprüft werden. Unrentable und hoch subventionierte Regionalflughäfen sollten aufgelöst oder ggf. zum Verkehrslandeplatz herabgestuft werden – es kann nicht sein, diese weiterhin mit enormen kommunalen Haushaltsmitteln oder Quersubventionen künstlich aufrecht zu erhalten.“
Verbände fordern Handlungsplan für klimaneutralen Luftverkehr bis spätestens 2050
Die drei Verbände fordern einen grundlegenden Richtungswechsel in der Luftfahrtpolitik. Nicht das Wachstum des Luftverkehrs dürfe das politische Leitbild sein, sondern eine klimaverträgliche, gesundheitsverträgliche und zukunftsfähige Mobilität innerhalb der ökologischen Belastungsgrenzen.
In ihren gemeinsamen Leitlinien fordern BVF, Germanwatch und VCD unter anderem einen Handlungsplan für klimaneutrales Fliegen bis spätestens 2050, den Ausbau nachhaltiger Flugkraftstoffe, die Reduktion aller klimaschädlichen Flugwirkungen einschließlich der Nicht-CO₂-Effekte, den Abbau klimaschädlicher Subventionen, die Stärkung der Bahn sowie bessere Standards für Gesundheits-, Lärm- und Luftreinhaltungsschutz.
Die Zukunft der Luftfahrt schützt nicht, wer möglichst lange fossile Strukturen bewahren will. Sie entscheidet sich vielmehr daran, wie schnell ihre Transformation gelingt. BVF, Germanwatch und VCD bieten der Bundesregierung an, konstruktiv an einer Roadmap für einen klimaneutralen Luftverkehr mitzuwirken.
Weitere Informationen und Hintergrundmaterial
Die gemeinsamen Leitlinien, die „Agenda klimaneutraler Luftverkehr“ sowie die Stellungnahme der Verbände zur Luftfahrtstrategie der Bundesregierung sind auf der gemeinsamen Informationsseite abrufbar:
▶ Leitlinien für eine nachhaltige und zukunftsfähige Luftfahrt: www.fluglaerm.de/leitlinien
Dort finden sich außerdem alle Dokumente zum Download sowie weiterführende Informationen zu den gemeinsamen Forderungen von BVF, Germanwatch und VCD.
Ansprechpartner
- Werner Kindsmüller, Bundesvereinigung gegen Fluglärm:
0151 28804294, werner.kindsmueller@fluglaerm.de - Anja Köhne, Germanwatch, Referentin für klimaneutralen Flugverkehr:
0170 3202 503, anja.koehne@germanwatch.org - Alfred Schreiber, Verkehrsclub Deutschland (VCD):
0173-5938400, alfred.schreiber@vcd-bayern.de
