Luftfahrtgipfel-Vertane Chancen

Im Vorfeld des „Luftfahrtgipfels“, zu dem Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer für den 23.07.2020 eingeladen hatte, hieß es vom Ministerium, Ziel des Treffens seien ein geordneter Übergang zum Normalbetrieb und ein „klimafreundlicher sowie krisenfester Luftverkehr“. Den Medienberichten über das Treffen, bei dem die Luftfahrtlobby unter sich blieb, war zu entnehmen, dass die Teilnehmer – wie zu erwarten war – offenbar nicht über das Wunschbild des möglichst raschen „Normalbetriebes“ hinausgekommen sind.

Schon bei der Rettung der Lufthansa mit immerhin neun Milliarden Euro – zur Verdeutlichung in Zahlen: 9.000.000.000,- € – hat die Bundesregierung kläglich versagt. Anstatt diese Finanzhilfe an klare Forderungen zum zukünftigen Flugbetrieb zu knüpfen, wie dies beispielsweise die französische Regierung gegenüber Air France vorgemacht hatte, konnte man sich letztlich des Gefühls nicht erwehren, dass dieses Geld mehr oder weniger bedingungslos an den Aktienkonzern fließen wird. Selbstverständlich wird auch in Frankreich von der Luftverkehrswirtschaft getrickst, wenn es z.B. um den von der Politik eingeforderten Abbau von Kurzstreckenflügen geht, indem eine Vielzahl von Kurzstreckenflügen jetzt als „Zubringerflüge“ zu Langstreckenverbindungen deklariert werden. Und dennoch hilft jeder einzelne Wegfall einer solchen ökonomisch und ökologisch unsinnigen Flugreise dabei, wirklich ein Stück klimafreundlicher zu werden und den trotz der Corona-Krise noch immer bestehenden Expansionsplänen einiger Flughäfen Einhalt zu gebieten.

Noch schlimmer wird es, wenn man sich die jüngsten Verkehrszahlen der ADV vom Juni 2020 vor Augen führt. 1.483.284 Passagiere wurden mit 38.515 Flugbewegungen befördert. Wer rechnen kann, stellt schnell fest, dass jedes Flugzeug durchschnittlich mit 38 Passagieren besetzt war. Die ersten Ferienflieger nach Mallorca waren sicherlich voller besetzt, was bedeutet, dass auch auf Flugbewegungen mit deutlich weniger Passagieren an Bord gegeben hat (in Bremen waren es durchschnittlich nur 11).  

Mit einer Form von Trotz wird hier eine Leistung angeboten, die derzeit nicht wirklich nachgefragt wird. Betriebswirtschaftlich gesehen wird als Folge nicht der Gewinn sondern der Verlust maximiert. Immer zulasten der Allgemeinheit.

Die gleiche Allgemeinheit – also auch diejenigen, die noch nie geflogen sind oder die, die aus welchen Gründen auch immer gar nicht fliegen wollen – soll jetzt auch noch für die Kosten der Corona-Tests von Fluggästen aufkommen? Hierzu der Präsident der Bundesvereinigung gegen Fluglärm, Carl Ahlgrimm: „ Wer ein Flugzeug als Verkehrsmittel nutzt, muss endlich auch für die real entstehenden Kosten seiner Reise einschließlich der Kompensation der klimaschädlichen Auswirkungen aufkommen – selbst wenn er sich diese mit nur 10 weiteren Passagieren teilen muss!“

Bundesvereinigung gegen Fluglärm

Vorheriger Beitrag
Bundesvereinigung gegen Fluglärm legt Gutachten zur Wirkung von Fluglärm vor
Nächster Beitrag
Pressemitteilung der BVF: Anhörung des NRW-Landtages zur NRW-Luftverkehrskonzeption
Menü