Luftfahrt muss Wachstumskurs verlassen

BVF: Luftverkehrswirtschaft muss endlich in der Gegenwart ankommen!

Berlin, 6. Oktober 2026 – Die Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BVF) weist die Forderungen des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) zum gemeinsamen BDL/DLR-Wirtschaftsreport entschieden zurück.

„Wer nach weiteren Entlastungen für einen klimaschädlichen Wachstumskurs bettelt, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Maßstab sind die ökologischen Belastungsgrenzen und der Schutz der Menschen – nicht die Wachstumswünsche der Branche“, erklärt BVF-Präsident Werner Kindsmüller.

Der Luftverkehr hängt nahezu vollständig am fossilen Tropf. Produktion und Einsatz klimaverträglicherer Flugkraftstoffe bleiben weit hinter dem für die Transformation notwendigen Umfang zurück. Trotzdem fordert die Branche weiteres Wachstum.

„Die Luftverkehrslobby stellt die falsche Frage. Es geht nicht darum, wie die Politik immer mehr Wachstum ermöglicht, sondern welcher Luftverkehr innerhalb der Klima- und Gesundheitsgrenzen verantwortbar ist. Die Gesellschaft schuldet der Luftfahrt keine Wachstumsgarantie. Die Richtung lautet: Sinkflug statt Wachstumskurs“, so Kindsmüller.

Den Rahmen dafür haben BVF, Germanwatch und VCD mit ihren gemeinsamen Leitlinien vorgelegt: vermeidbare Flugreisen reduzieren, geeignete Verbindungen auf die Schiene verlagern und den verbleibenden Luftverkehr schnellstmöglich klimaneutral gestalten. Dazu gehören die Berücksichtigung der Nicht-CO₂-Effekte, der Abbau von Steuerprivilegien und Subventionen sowie wirksamer Schutz vor Fluglärm und Luftschadstoffen – insbesondere der Schutz der Nachtruhe.

An diesem Rahmen sind die politischen Ableitungen des BDL zu messen. Beschriebene Verkehrsverschiebungen begründen für sich genommen weder die Notwendigkeit zusätzlichen Wachstums noch den gesellschaftlichen Nutzen weiterer Entlastungen. Die Beteiligung des DLR macht aus Brancheninteressen keinen wissenschaftlichen Auftrag an die Politik.

„Wer verlorene Marktanteile zum politischen Handlungsmaßstab erhebt, verwechselt Brancheninteressen mit dem Gemeinwohl. Die Betroffenen brauchen weniger Fluglärm, ungestörten Schlaf und Schutz ihrer Gesundheit. Die Politik darf nicht Wachstum fördern und dessen Folgen der Gesellschaft überlassen“, betont Kindsmüller.

Die BVF fordert von der Bundesregierung, ihren durch den Klimabeschluss des Bundesverfassungsgerichts von 2021 bekräftigten Klimaschutzauftrag auch in der Luftverkehrspolitik umzusetzen.

„Die Bundesregierung muss einen verbindlichen Transformationspfad vorgeben, der die Klima- und Gesundheitsbelastungen des Luftverkehrs senkt. Klimaschutz ist kein Hindernis, das die Politik für die Branche aus dem Weg räumen soll. Er ist ihr Auftrag.“ 

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