Neue EU-Luftfahrtstrategie: BVF fordert Gesundheitsschutz, Klimaverantwortung und faire Mobilität

Die Europäische Kommission arbeitet an einer neuen Luftfahrtstrategie, die die politische Ausrichtung des europäischen Luftverkehrs für das kommende Jahrzehnt bestimmen soll. Im Rahmen der öffentlichen Konsultation hat die Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BVF) eine ausführliche Stellungnahme eingereicht und fordert eine grundlegende Neuausrichtung der europäischen Luftverkehrspolitik.

Die BVF begrüßt ausdrücklich, dass die Europäische Union die Herausforderungen von Klimakrise, geopolitischen Spannungen und wirtschaftlicher Resilienz strategisch angehen will. Aus Sicht der BVF kann die Zukunftsfähigkeit des Luftverkehrs jedoch nicht allein an Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit gemessen werden. Gesundheitsschutz, Klimaverantwortung und die Lebensqualität der Menschen müssen gleichrangige Leitziele europäischer Luftfahrtpolitik werden.

Verkehr verlagern, vermeiden und verbessern

Im Mittelpunkt der Stellungnahme steht ein klarer Dreiklang: Verkehr verlagern, vermeidbare Flüge reduzieren und den verbleibenden Luftverkehr klimaverträglicher gestalten.

Die BVF fordert, innereuropäische Kurz- und Mittelstreckenverkehre dort auf die Schiene zu verlagern, wo leistungsfähige Bahnverbindungen zur Verfügung stehen oder geschaffen werden können. Eine Stärkung des europäischen Eisenbahnnetzes würde nicht nur die Klimabelastung senken, sondern auch die Abhängigkeit von Energieimporten reduzieren und den europäischen Zusammenhalt fördern.

Gleichzeitig müssen die tatsächlichen Klima- und Gesundheitskosten des Luftverkehrs künftig stärker berücksichtigt werden. Nach Auffassung der BVF bildet die heutige Preisstruktur die realen gesellschaftlichen Kosten des Fliegens nicht vollständig ab. Eine faire Kostenwahrheit ist daher Voraussetzung für eine nachhaltige Verkehrspolitik.

Gesundheitsschutz stärker in den Mittelpunkt rücken

Ein besonderer Schwerpunkt der Stellungnahme liegt auf den gesundheitlichen Auswirkungen des Luftverkehrs. Obwohl Flugzeuge in den vergangenen Jahrzehnten technisch leiser geworden sind, hat die Zahl der Flugbewegungen vielerorts zugenommen. Für zahlreiche Menschen im Umfeld von Flughäfen bedeutet dies weiterhin erhebliche Belastungen durch Fluglärm.

Die wissenschaftliche Forschung zeigt eindeutig, dass Fluglärm das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlafstörungen und weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen erhöht. Besonders kritisch sind nächtliche Fluglärmbelastungen. Die BVF fordert deshalb einen stärkeren Schutz der Nachtruhe sowie wirksame Lärmminderungspläne für Verkehrsflughäfen in ganz Europa.

Darüber hinaus spricht sich die BVF für eine grundlegende Überarbeitung der europäischen Regelungen zu betriebsbeschränkenden Maßnahmen aus. Gesundheits- und Lärmschutz dürfen nicht länger strukturell hinter wirtschaftlichen Interessen zurückstehen.

Schutz vor Schadstoffen verbessern

Neben dem Fluglärm geraten zunehmend auch die gesundheitlichen Auswirkungen von Luftschadstoffen in den Fokus. Besonders ultrafeine Partikel (UFP), die bei der Verbrennung von Flugkraftstoffen entstehen, stehen im Verdacht, Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie weitere gesundheitliche Schäden zu begünstigen.

Die BVF fordert deshalb verbindliche europäische Grenzwerte für ultrafeine Partikel, eine deutliche Absenkung des Schwefelgehalts von Kerosin sowie eine Begrenzung des Aromatenanteils im Flugkraftstoff. Diese Maßnahmen würden nicht nur die Gesundheit der Menschen schützen, sondern zugleich klimaschädliche Nicht-CO₂-Effekte reduzieren.

Transparenz und Beteiligung stärken

Die BVF sieht eine moderne Luftfahrtpolitik auch als Frage demokratischer Teilhabe. Bürgerinnen und Bürger müssen frühzeitig und wirksam an luftverkehrsrelevanten Entscheidungen beteiligt werden. Dazu gehören ein verbesserter Zugang zu Betriebs-, Lärm- und Emissionsdaten sowie die Stärkung unabhängiger Beteiligungsgremien wie Fluglärmkommissionen.

Vorsorgeprinzip für Drohnen und Advanced Air Mobility

Mit Blick auf neue Luftverkehrsformen wie Drohnen und Advanced Air Mobility (AAM) fordert die BVF einen vorsorgeorientierten Ansatz. Die Auswirkungen dieser neuen Verkehrssysteme auf Lärm, Gesundheit, Klima und Umwelt seien bislang nicht ausreichend untersucht.

Aus Sicht der BVF dürfen Drohnen- und AAM-Verkehre daher erst dann in größerem Umfang zugelassen werden, wenn ihre Auswirkungen umfassend bewertet wurden. Zudem müssen Kommunen bei Entscheidungen über deren Einführung und Ausgestaltung eine maßgebliche Rolle behalten.

Stellungnahme in die EU-Konsultation eingebracht

Mit ihrer Stellungnahme bringt die BVF die Perspektive der vom Luftverkehr betroffenen Bevölkerung in die europäische Debatte ein. Ziel ist eine Luftverkehrspolitik, die wirtschaftliche Entwicklung, Mobilität, Gesundheitsschutz und Klimaverantwortung miteinander in Einklang bringt.

Die Stellungnahme wurde im Rahmen der öffentlichen Konsultation der Europäischen Kommission zur neuen EU-Luftfahrtstrategie eingereicht.

Die vollständige Stellungnahme der BVF zur EU-Luftfahrtstrategie finden Sie hier:

📄 BVF-Stellungnahme zur EU-Luftfahrtstrategie (PDF, 4 Seiten)

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