100 Jahre Lufthansa: Kein Grund zum Feiern – Gesundheitsschutz und Klimaverantwortung bleiben auf der Strecke

Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Lufthansa kritisiert die Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BVF) die politische und gesellschaftliche Inszenierung des Jubiläums als realitätsfern. Während Politik und Luftverkehrswirtschaft den Luftverkehr als unverzichtbaren Wachstumstreiber darstellen, bleiben die Belastungen für Millionen Betroffene durch Fluglärm sowie die klimapolitischen Auswirkungen unerwähnt.

„Dieses Jubiläum blendet die Realität systematisch aus“, erklärt Werner Kindsmüller, Präsident der BVF. „Fluglärm ist ein gravierendes Gesundheitsrisiko für die Anwohner von Flughäfen. Die Belastung nimmt vielerorts zu – insbesondere in den sensiblen Nachtstunden. Gleichzeitig erleben wir eine politische Debatte, die wirtschaftliche Interessen und Wachstumsideologie über den Schutz der Bevölkerung stellt.“

Besonders kritisch bewertet die BVF die Aussagen von Bundeskanzler Friedrich Merz im Rahmen der Jubiläumsfeier. Die Feststellung, „weniger fliegen ist keine Option“, steht aus Sicht der BVF im klaren Widerspruch zu den Anforderungen eines wirksamen Klima- und Gesundheitsschutzes. Eine solche Position verkennt die Notwendigkeit, Verkehrsentwicklung aktiv zu steuern und Belastungen zu reduzieren. „So lange weniger klimaschädliche Technologien und Treibstoffe nicht zur Verfügung stehen, ist eine Reduzierung der Flugbewegungen die einzige Option“, erwidert Kindsmüller.

„Wir erleben eine gefährliche Schieflage“, so Werner Kindsmüller weiter. „Die Luftverkehrswirtschaft fordert Entlastungen und Flexibilität, während die gesundheitlichen und ökologischen Kosten weiterhin von der Bevölkerung getragen werden.“

Die BVF weist zudem darauf hin, dass die bestehenden gesetzlichen Regelungen zum Fluglärmschutz nicht mehr dem aktuellen Stand der Lärmwirkungsforschung entsprechen. Insbesondere der Schutz der Nachtruhe ist unzureichend gewährleistet. Verspätungsregelungen und Ausnahmepraxen führen in vielen Regionen dazu, dass die Belastung in den Nachtstunden faktisch zunimmt.

Die Bundesvereinigung gegen Fluglärm fordert:

  • Eine konsequente Priorisierung des Gesundheitsschutzes im Luftverkehr
  • Eine deutliche Reduzierung nächtlicher Flugbewegungen und ein wirksamer Schutz der Nachtruhe
  • Die Weiterentwicklung des Fluglärmschutzgesetzes auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse
  • Die vollständige Einbeziehung des Luftverkehrs in wirksame klimapolitische Instrumente
  • Den Abbau klimaschädlicher Subventionen und eine verursachergerechte Kostenstruktur.

„100 Jahre Luftfahrtgeschichte verpflichten zu Verantwortung – für die Allgemeinheit“, so das Fazit von Werner Kindsmüller. „Ein zukunftsfähiger Luftverkehr muss sich an den Grenzen von Gesundheit und Klima orientieren. Davon sind wir derzeit weit entfernt.“

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