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Geschäftsmodell der Iren läuft am Hahn gut

Ein Kommentar von Thomas Torkler zu den neuen Plänen der Landesregierung

Bisher hieß es immer, der Hahn solle von finanziellem Ballast befreit werden, um sich voll und ganz auf die Fliegerei zu konzentrieren. So lautete die Argumentation beim Ankauf der landseitigen Straßen, wie etwa zur Polizeischule. Wenn jetzt geprüft wird, dass sogar Startbahn und Rollwege ins Eigentum des Landesbetriebes Mobilität übergehen könnten, dann ist das nicht nur neu, sondern es betrifft den Kernbereich des Hahns, die Fliegerei. Mehr Luftseite geht nicht.

Mit Spannung darf man erwarten, ob diese Aktion unterm Strich eine Entlastung des Hahns bedeuten würde. Die Flughafengesellschaft wäre zwar durch den Verkauf möglicherweise alle ihre Schulden los oder zumindest einen Teil davon, Zinsen und Tilgung würden sie nicht immer weiter in die roten Zahlen treiben, aber dafür stünden Pachtzahlungen an. Entscheidend ist, was hinten raus kommt, hat schon Helmut Kohl gesagt. Abwarten.

Tatsache ist, dass man fieberhaft prüft, wie man den Hahn auf eine solide finanzielle Basis stellen kann. Hilfreich ist dabei, dass das Lemke-Gutachten das Geschäftsmodell des Flughafens nicht mehr in Frage stellt, ebenso wenig den 24-Stunden-Betrieb. Das ist eine Kröte, die die Basis der Grünen schlucken muss ebenso wie sie andere Projekte wie den Hochmoselübergang schlucken musste. Die Spitzenpolitiker der Grünen in der Landesregierung sind nicht darin zu beneiden, diese Einsichten ihrer Parteibasis vermitteln zu müssen. Da dürfte und das steht auch im Lemke-Gutachten der Ruf nach einer Gebührenerhöhung für die bei Bündnis 90/Die Grünen ungeliebten Billigfliegerei deutlich vernehmbar werden. Schließlich hat Minister Lewentz gesagt, man stelle alle Punkte des Gutachtens auf den Prüfstand, also auch die Gebührenerhöhung.

Das Geschäftsmodell von Ryanair wird aber ohnehin auch mit höheren Start- und Landepreisen auf dem Hahn weiterhin gut funktionieren, denn der Hahn liegt in Europa einfach zu zentral, als dass sich die Iren aus dem Hunsrück zurückziehen. Vier mögliche Umläufe pro Tag sind bares Geld für Michael O'Leary. Diese gute Verhandlungsposition werden die Manager der Flughafengesellschaft zu nutzen wissen.

(Hunsrücker Zeitung vom 05.12.2012)