Feinstaub & Co

Hallo Deutschland!

Zu den pathogenen Immissionen gehören neben Lärmimmissionen auch andere giftige Stoffe, die in unserer Atemluft enthalten sind: Ozon, Feinstaub, Stickstoffdioxid sind einige der bekanntesten Stoffe, deren EU-Grenzwert-Einhaltung von besonderen Messstationen in vielen unserer Großstädte überwacht werden.

Es ist ein Anliegen von BIGUM, die Bürger zu pathogenen Immissionen informiert zu halten. Die aktuelle ZDF-Dokumentation von Professor Harald Lesch soll an dieser Stelle zitiert werden und dabei helfen, Zusammenhänge verständlich zu machen.

Stickstoffdioxid (NO2) ist ein giftiges Gas in unserer Atemluft, wofür nach umfangreichen Studien in der Europäischen Gemeinschaft (EU) ein Grenzwert von 40 μg/m³ festgesetzt wurde, der nicht überschritten werden soll. Die Berechnung des Grenzwerts orientiert sich dabei an besonders gefährdeten Personen wie chronisch Kranke oder Ältere. Aber die Studien haben auch gezeigt, dass es keinen Schwellenwert gibt, unter dem Stickstoffdioxid aufhört schädlich zu sein. Aufgrund dieser Feststellung sollte der Grenzwert sinnvollerweise eigentlich auf Null μg festgesetzt werden; jedoch Verbraucher, Wirtschaft und Politik wollen dies im Autoland BRD offensichtlich nicht so akzeptieren.

Ab September 2018 sind für alle Motoren strengere Feinstaub-Grenzen vorgeschrieben, auch für Benzinmotoren. Gemessen wird nun praktisch unter Realbedingungen, nicht nur auf stationären Prüfständen. Was bewirkt Feinstaub (PM10) auf unseren Straßen?

Auf den ersten Blick gibt es bundesweit nur wenige Grenzwert-Überschreitungen beim Feinstaub:

Feinstaub-Grenzwert-Überschreitungen
Feinstaub-Grenzwert-Überschreitungen

Im Vergleich wirkt das Vorkommen von Stickstoffdioxid bedrohlicher:

Stickstoffdioxid-Grenzwert-Überschreitungen
Stickstoffdioxid-Grenzwert-Überschreitungen

Bei Stickstoffdioxid setzt die EU den gleichen Grenzwert von 40 μg/m³ wie die WHO (Welt-Gesundheitsorganisation) an; bei Feinstaub PM10 hingegen erlaubt die EU einen doppelt so hohen Wert von 40 μg/m³ (WHO = 20 μg/m³). Nach WHO-Maßstab käme es zu ähnlich hohen Grenzwertüberschreitungen wie bei Stickstoffdioxid. Die WHO richtet sich streng nach den Ergebnissen von internationalen Gesundheitsstudien; in der EU hingegen spielen auch wirtschaftspolitische Interessen eine bedeutende Rolle – zum Vorteil der Industrie.

Die neue Generation der Benzinmotoren besitzt jedoch zwecks Kraftstoffersparnis wie bisher nur Dieselmotoren auch eine Direkteinspritzung. Nun produzieren die neuen Bezinmotoren auch Feinstaub, jedoch in so kleiner Partikelgröße, das er nur unter dem Elektronenmikroskop sichtbar wird.

Achtung: Je kleiner die Partikelgröße des Feinstaubs, umso gefährlicher ist er!

Nun müssen nach den ab September geltenden Vorschriften auch Benzinmotoren mit Partikelfiltern ausgerüstet werden. Doch dabei gilt: Die Partikelfilter sind so konstruiert, wie sie gemäß Grenzwert-Zulassungsvorgaben sein müssen, nicht wie sie sein können.

Es gibt aber noch andere Feinstaub-Produzenten: Unsere Landwirtschaft

Der Taschentuch-Test: Feinstaub aus dem PKW-Auspuffrohr
Der Taschentuch-Test: Feinstaub aus dem PKW-Auspuffrohr

In den Umweltmessstationen in den Städten wird Feinstaub, kleiner als der Durchmesser eines Haares (0,1mm), in zwei Größen gemessen: “PM10 bis 10 μm” und “PM2,5 kleiner als  2,5 μm”.

PM10-Teilchen entstehen meist mechanisch, beispielsweise durch Reifenabrieb, werden zwar durch unsere Schleimhäute gebunden, können jedoch Atemwegserkrankungen bewirken.

PM2,5-Teilchen (<0,0025mm) gelangen bis in die Lungenbläschen und können dort Entzündungen verursachen. Sie entstehen nicht mechanisch, sondern durch chemische Reaktionen in der Luft. Aus Stickstoffdioxyd, der besipielsweise mit Ammoniak aus Abgasen reagiert, entstehen sogenannte Kluster sekundärer Stickstoff. Diese Kluster können sich über Stunden und Tage in der Luft halten und vom Wind verweht werden. Die Gülle in der Landwirtschaft enthält auch Ammoniak, die mit dem großflächigen Ausbringen auf Felder riesige Mengen Feinstaub-PM2,5 generieren.

In der Landwirtschaft wie auch im Straßenverkehr entstehen sogar noch kleinere Partikel, die bei den heute gängigen Messungen kaum berücksichtigt werden, sogenannter Ultra-Feinstaub (0,0001mm), der von der WHO als eindeutig krebserregend eingestuft wird. Hier ist die Chemie der heutigen Verbrennungsmotoren eindeutiger Verursacher.  Hier steht die Forschung noch ganz am Anfang. Doch bereits jetzt gilt als gesichert, dass diese Partikel sich über den Blutkreislauf sowohl zum Herz als auch in das Gehirn bewegen. Bereits kurzzeitige Einwirkung kann bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen nachweislich negative Folgen haben.

Ozon (O3),ein giftiges Gas, in Bodennähe ist im Sommer gerade oft in “sauberer Landluft” festzustellen. In den Städten reagiert teilweise das Stickstoffdioxid der Autoabgase bei starker Sonneneinstrahlung mit Sauerstoff (O2) und es bildet sich Ozon. Winde tragen das Ozon heraus aus der Stadt aufs Land und so kann es dort zu höheren Konzentrationen als in der Stadt kommen.

Und es kommt noch schlimmer:

Die Chemie, die die Dieselmotoren sauberer machen soll, das “AdBlue” (Harnsäure), erzeugt bei der Verbrennung das giftige Ammoniak, das, wie oben beschrieben, wiederum mit Stickstoffdioxid zu Feinstaub-PM2,5 reagiert und mit der Atmosphäre um den ganzen Globus unserer Welt verteilt wird.

Wie sollen diese globalen Wirkungen beobachtet werden? Das geht nur vom Weltall aus. So wurde ein Satellit “Sentinel-5P” entwickelt, der im Gegensatz zu einzelnen Messstationen in Städten eine großflächige Beobachtung der Erdoberfläche ermöglichen soll. Der Satellit misst verschiedene Luftschadtoffe aus 800 Kilometer Höhe, unter anderem Ozon, Methan und Stickstoffdioxid und scannt einmal in 24 Stunden die gesamte Erdoberfläche.

Beobachtungs-Satellit Sentinel-5P
Beobachtungs-Satellit Sentinel-5P
Beobachtungsbild der Luftverschmutzungen von Sentinel-5P
Beobachtungsbild der Luftverschmutzungen von Sentinel-5P

Dieser Link führt auf die Seite der europäischen Raumfahrtorganisation European Space Agency (ESA), wo sie in einem Bild die Bewegungen der Luftverschmutzungen aus Satellitensicht beobachten können.

Die Fortschritte der Wissenschaft stellen uns ihre gesammelten Daten zur Verfügung, nach denen Grenzwerte zum Gesundheitsschutz festgesetzt werden. Doch “wirtschaftliche Interessen” und Tricksereien der Automobilindustrie verhindern die Einhaltung von Grenzwerten und damit einen umfassend weltweit wirksamen Gesundheitsschutz.

Fakt ist: Luftverschmutzung schädigt die Gesundheit!

Es geht darum, die Prioritäten festzustellen, nach denen wir leben wollen!

In welcher Welt wollen wir leben und sollen die leben, die in der Zukunft kommen?

Das Video:

Anmerkung: Möglicherweise ist dieses Video bei einigen Lesern nicht abrufbar, da das ZDF eine Sperre wegen angeblicher Urheberrechtsverletzung bewirkt hat. Bis zur Klärung nutzen Sie bitte den nachstehenden Link ZDF-Mediathek zum ansehen des Videos.

Quelle: ZDF-Mediathek

PS.:

Es erscheint mir wiederholt unwirklich, dass die Mehrheit der bundesdeutschen Bevölkerung und unserer EU-Nachbarn offensichtlich wirtschaftliche Argumente dem Gesundheitsschutz vorziehen und sich nicht gegen Wirtschaft und Politik auflehnen!

Ein Gedanke zu „Feinstaub & Co

  1. Dieses Video wurde vom ZDF bei unserem YouTube-Kanal gesperrt wegen angeblicher Urheberrechtsverletzung.
    ich habe heute die Freigabe des Videos bei Google und beim ZDF beantragt.
    “Das eingebettete YouTube-Video “https://www.youtube.com/embed/I96wFm1qF-k” auf unserer Seite “https://www.fluglaerm.de/hannover/2018/07/20/feinstaub-co/” ist als gekennzeichnetes Großzitat gemäß § 51 UrhG “zwecks Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse” regelgerecht und gesetzeskonform mit Quellenangabe widergegeben. Die vorgenannte Seite unseres anerkannt gemeinnützig tätigen Vereins “BIGUM e.V. – Verein zur Förderung der Volksgesundheit bei pathogenen Immissionen” vermittelt zweckbestimmt wissenschaftliche Informationen zu pathogenen Immissionen an die Bevölkerung, was bei dem zitierten ZDF-Video gegeben und rechtlich vollumfänglich zulässig ist! Wir bitten daher um schnellstmögliche Entfernung der Sperre wegen angeblicher Urheberrechtsverletzung! Mit freundlichem Gruß BIGUM e.V. Harald Knust”

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