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Olympia 2012
Analyse der Luftverkehrsanforderungen

Olympische Spiele Hamburg 2012

Olympia 2012 in Hamburg

Scheitern die olympischen Sommerspiele 2012 in Hamburg an den Kapazitätsproblemen des Flughafens Hamburg Fuhlsbüttel?

1. Luftverkehrstechnische Anforderungen an den Olympiastandort Hamburg
2. Ist der Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel olympiafähig?
3. Wie kann Hamburg olympiafähig werden?
4. Fazit

Olympische Spiele - ein Weltereignis. Dementsprechend hoch ist die Anzahl auswärtiger Gäste, auf deren Anreise und Unterbringung sich eine Olympiastadt vorbereiten muss. Zunehmend erfolgt dabei die Anreise - insbesondere aus ferneren Ländern - mit dem Flugzeug. Welche Anforderungen kommen auf Hamburg zu? Kann der Flughafen Hamburg Fuhlsbüttel dies leisten? Welche Alternativen hat Hamburg?

1. Luftverkehrstechnische Anforderungen an den Olympiastandort Hamburg

Betrachtet man die letzten olympischen Sommerspiele, so fällt auf, dass sie durchweg an Orten mit sehr leistungsfähigen Flughäfen durchgeführt wurden: 1996 Atlanta (größter Flughafen der Welt), 2000 Sydney (2 Flughäfen). Athen hat - auch im Hinblick auf die Sommerspiele 2004 den innerstädtischen Flughafen aufgegeben und einen neuen Ersatzflughafen gebaut.

Für Atlanta war jederzeit klar, dass der olympische Mehrverkehr angesichts der Größenordnung des Flughafens (über 80 Mio Passagiere, über 800.000 Flugbewegungen p.a., 5 parallele Runways, davon 4 über 3000 m Länge) problemlos abgewickelt werden kann.

Sydney hatte - obwohl der internationale Flughafen Kingsford Smith (3 voll ausgebaute Runways, davon 2 parallel, 290.000 Flugbewegungen p.a., 23,2 Mio Passagiere p.a.) in der Leistungsfähigkeit mit München und Frankfurt vergleichbar ist, umfangreiche Planungen unter Einschluss des zweiten Flughafens Bankstown vorgenommen und war so in der Lage, den Flugverkehr abzuwickeln.
Im Verlauf der olympischen Spiele zeigte sich, dass Sydney einen erheblichen Mehrverkehr abzuwickeln hatte: So gab es am 2.10.2000, dem Tag nach der Schlusszeremonie, 1.015 Flugbewegungen. Das bedeutet einen Mehrverkehr von deutlich über 100 Flugbewegungen pro Tag gegenüber nichtolympischen Spitzenzeiten. Insgesamt wurden etwa 420.000 zusätzliche Flugpassagiere für die olympische Periode geschätzt.

Hamburg dagegen verfügt mit den Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel nur über einen vergleichsweise wenig leistungsfähigen Flughafen. Es gibt keine parallele Start-/Landebahn, die beiden vorhandenen Landebahnen kreuzen sich und sind daher nicht parallel zu betreiben. Während ein unabhängiges Parallelbahnsystem 80 Flugbewegungen pro Stunde möglich sind, erreicht Hamburg die Sicherheitsgrenze bereits bei 45 Flugbewegungen pro Stunde.

Vergleicht man die Auswirkungen des Olympia-Flugverkehrs auf die drei Flughäfen, so kann man feststellen

Hamburg muss also damit rechnen, dass es im Rahmen der olympischen Spiele und der Paralympics etwa 400.000-600.000 zusätzliche Fluggästen einen sicheren Flugverkehr anbieten und etwa 150-200 zusätzliche Flugbewegungen pro Tag abwickeln muss.

2. Ist der Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel olympiafähig?

Das technische Kernproblem für Hamburg ist das Start-Landebahnsystem. Bereits am Spitzentag 1997 zeichnete sich die beginnende Übelastung in den Spitzenstunden ab. Je nach genauem Verlauf des Verkehrswachstums wird an verkehrsstärkeren Tagen die Vollauslastung über fast den gesamten Tag zwischen 2008 und 2010 erreicht. Dementsprechend reicht auch der Planungshorizont für die Ausbaumaßnahmen des Vorfeldes und der Terminals sowie des dazugehörigen Planfeststellungsverfahrens nur bis 2010.

Für 2012 stellt sich damit folgende Situation dar:

Zum Vergleich:

Flughafen Atlanta Sydney Hamburg-Fuhlsbüttel
Passagiere p.m. 7 Mio 2 Mio 1 Mio (2008)
Mehrverkehr Olympia 5% 20% über 40%
Flugbewegungen Tageskapazität über 2400 über 1200 600*)
Verkehr mit Olympia über 2000 1015 800
*) idealisiert, bei völlig gleichmäßiger Auslastung. Mehrverkehr nur unter drastischem Sicherheitsverzicht

An der unzureichenden Start-Landebahn-Kapazität ändern auch die gegenwärtig laufenden Ausbaumaßnahmen nichts. Insgesamt werden - einschließlich S-Bahn - bis 2007 noch 600 Millionen Euro investiert, davon 235 Millionen Euro in Terminal 2 und Einkaufszentrum, der Rest für Zufahrten, Parkplätze und S-Bahn. Mit diesen Maßnahmen werden die Passagierabfertigungskapazitäten auf 14 Millionen Passagiere (weniger als die Hälfte von Sydney Kingsford Smith) ausgebaut. Grundsätzlich ist denkbar, den Olympiaverkehr mit den dann fertigen Terminals - unter Zuhilfenahme einiger Provisorien (alte Charterhalle, Frachthallen) notdürftig abzuwickeln, wenngleich es Probleme z.B. bei der Gepäckabfertigung (Stundenkapazität dann 4.000 Passagiere) geben dürfte. Ob eine solche notdürftige Verkehrsabwicklung dem internationalen Ruf unserer Freien und Hansestadt Hamburg und der gesamten Region förderlich ist, darf bezweifelt werden.

Besonders problematisch ist die Gefährdungslage: Da die Einflugschneisen des Flughafens Hamburg-Fuhlsbüttel dicht bebaut sind, ist das Unfallgeschehen im Falle eines Flugunfalls besonders folgenreich. Der Olympiaverkehr bringt mit seiner extremen Dichte eine deutliche Erhöhung des Risikos für einen Flugunfall mit sich. Wenn aber in Hamburg etwas passiert, sind Bruchlandung oder Absturz in Wohnblocks und auf Hauptverkehrsstraßen programmiert. Passagiere, Crews und viele Unbeteiligte haben keine Chance. Diesem Risiko der "Olympiade der Trauer" sollte Hamburg sich nicht aussetzen. Hamburgs Olympiabewerbung sollte vielmehr darauf setzen, sich als liebenswerte, internationale, gastfreundliche und sichere Stadt zu zeigen. Hier kann Sydney als Vorbild dienen.

Auch das Problem Fluglärm sollte nicht außer Acht sein: Einerseits sind die Bürger Hamburgs in den Einflugschneisen schon heute weit über das erträgliche Maß hinaus belastet, andererseits wird es schwer werden, Flächen für die olympischen Einrichtungen zu finden, die nicht fluglärmbelastet sind.

3. Wie kann Hamburg olympiafähig werden?

Hat Hamburg überhaupt eine Chance für eine erfolgreiche Olympiabewerbung?

Die Antwort ist eindeutig: Ja, wenn die Vorbereitungen rechtzeitig erfolgen!

Voraussetzung dafür ist es, die Konsequenzen aus der sich abzeichnenden Misere zu ziehen:

4. Fazit

Angesichts der insbesondere ab 2010 extrem verschärften Kapazitätsengpässe im Start-Landebahnsystem ist der Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel nicht olympiatauglich. Hamburg kann - gemeinsam mit Kiel und der gesamten Nordregion - nur dann erfolgreich sich für die olympischen Spiele 2012 oder spätere Spiele bewerben, wenn die ohnehin notwendige Verlagerung des Verkehrsflughafens zügig begonnen wird.

Inzwischen ist die nationale Bewerbungsrunde für 2012 abgeschlossen. Leipzig hat das Rennen gewonnen. Vergleicht man den Flughafen Leipzig mit dem Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel, so kann dies nicht verwundern. Der Flughafen Leipzig hat parallele Start- und Landebahnen. Die Einflugschneisen sind weitgehend frei. Die Terminals lassen sich ohne größere Probleme nachrüsten. Der Anschluss an das Eisenbahnnetz ist unproblematisch.

Hamburg hat - nicht zuletzt wegen des ungeeigneten Flughafens Fuhlbüttel - verloren. Wenn Hamburg international erfolgreich sein will, muss es die Flughafenproblematik durch einen Ersatzflughafen lösen.


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