Presseerklärung Nr. 7/2007 vom 22.08.2007
drucken

Presseerklärung zu den wieder aufgenommenen Materialtransporten der US-Amerikaner über den Flughafen Frankfurt-Hahn in den Irak ab Juli 2007

  1. Seit Juli nimmt die Anzahl der Militärflüge mit Nachschubmaterial für die amerikanischen Truppen u.a. in den Irak wieder massiv zu.
  2. Die Bi fragt sich, aus welchem Grund überhaupt Versorgungsflüge für die amerikanischen Truppen in der Golfregion über den Flugplatz Hahn abgewickelt werden.
  3. Die Bi gegen den Nachtflughafen Hahn fordert die sofortige Einstellung der amerikanischen Nachschubtransporte über den Flughafen Frankfurt-Hahn.

Zu 1: Bis zum 15. April 2007 wurde der Flughafen Frankfurt-Hahn intensiv als Zwischenstation für amerikanische Truppentransporte (ca. 48.000 GIs in 2007, ca. 180.000 in 2006) in den Irak und zurück in die Heimatgarnisonen genutzt. Insbesondere Maschinen des US-Militärlogistikers Omni-Air landeten dabei mit Truppen vollbeladen, oft mehrmals täglich, auf dem Flugplatz Hahn zwischen, um aufzutanken. Diese Flüge wurden zwischenzeitlich auf andere Stützpunkte verlagert.
Auch die parallel dazu durchgeführten Nachschubtransporte für die amerikanischen Streitkräfte in der Golfregion wurden erheblich reduziert.
Während die BI gegen den Nachtflughafen Hahn im März 2007 noch insgesamt 87 Flüge mit amerikanischen Truppen und Militärnachschub auf dem Flugplatz Hahn registrierte, sank dieser Wert auf nur noch 6 Flüge im Mai und 7 Flüge im Juni 2007.

Parallel zur Bekanntgabe einer erhöhten Bedrohungslage ist seit Anfang Juli die Anzahl der Flüge mit militärischem Nachschubmaterial wieder angestiegen. Inzwischen landen vom US-Pentagon gecharterte Frachtmaschinen, überwiegend älteren Baujahres, von Fluggesellschaften wie Evergreen-Airlines, Atlas Air und insbesondere Gemini Air Cargo, wieder regelmäßig auf dem Flugplatz Hahn. Flugziele sind z.B. die Adana-Incirlik Airbase (UAB) in der Türkei, Kuwait City (KWI), die Dover Airforce Base im Bundesstaat Delaware (DOV) oder die Charleston Airforce Base (CHS) im Bundesstaat South Carolina.
So flog allein die im amerikanischen Dulles im Bundesstatt Virginia beheimatete Gemini Air Cargo im Monat Juli sieben Mal den Flugplatz Hahn an, im August bis zum 21.08.2007 bereits sechs Mal.

Sowohl für den 22.08.2007 als auch den 23.08.2007 stehen jeweils drei weitere Flüge von Gemini Air Cargo auf dem Flugplan.

Datum Von: Ankunft in Hahn: Abflug von Hahn: Nach:
22.08.07 Charleston AFB 01:00 04:30 Adana-Incirlik AFB
Adana-Incirlik AFB 15:45 17:45 Charleston AFB
Gander 23:00 00:30 Adana-Incirlik AFB
23.08.07 Adana-Incirlik AFB 10:30 ? ?
Gander 02:30 04:30 Adana-Incirlik AFB
Adana-Incirlik AFB 15:45 ? ?

Gemeinsam haben diese sechs Flüge, dass sie mit veralteten und überlauten Douglas DC-10-30 durchgeführt werden, die durch ihre extreme Lautstärke auf allen Flughäfen gefürchtet sind. Dies hindert die Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH und noch viel weniger die Fluggesellschaft Gemini Air Cargo nicht daran, ihre Flüge überwiegend im Schutz der Dunkelheit abzuwickeln.

Zu 2: Die Bi fragt sich erneut, aus welchem Grund Versorgungsflüge für die amerikanischen Truppen in der Golfregion über den Flugplatz Hahn abgewickelt werden.
Sie kann nicht nachvollziehen, wie es sich für Gemini Air Cargo lohnen kann, auf dem Flugplatz Hahn zwischen zu landen. Bei einer Zwischenlandung in Ramstein würden keine Start- und Landegebühren anfallen. Auch die Treibstoffversorgung muss dort erheblich billiger sein, schließlich ist Ramstein im Gegensatz zum Flugplatz Hahn an die Nato-Pipeline angeschlossen und die Ramstein Air Base hat keine Gewinnerzielungsabsichten. Sie gibt den Treibstoff zum Selbstkostenpreis ab. Auf dem Flugplatz Hahn dagegen muss das Kerosin über Hunderte von Kilometer bspw. aus Köln-Wesseling per Tanklastzug herangeschafft werden. Wie sich dies angesichts des erhöhten Sicherheitsrisikos und der Vielzahl von gefährlichen Baustellen auf der B 50 überhaupt rechtfertigen lässt, ist der BI schleierhaft.

Die BI gegen den Nachtflughafen Hahn ist angesichts dieser ganzen Umstände und der Informationssperre der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH zu den Nachschubflügen für die amerikanischen Truppen sicher, dass der Grund für die Dislozierung der Flüge die Minderung des Anschlagsrisikos für die amerikanischen Streitkräfte ist.
Dass es die Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH angesichts des angeblich boomenden Geschäftes überhaupt nötig hat, Nachschubflüge für die amerikanischen Truppen im Nahen Osten zu akquirieren, zeigt ein wahres Bild über die wirtschaftliche Lage, in der sich der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH befindet. Bei einem Umsatzeinbruch von 6,3 Prozent und einem EBIT von minus 7,1 Mio in den ersten sechs Monaten des Jahres 2007 wird offensichtlich jeder Euro dringend benötigt.

Zu 3: Die Bi gegen den Nachtflughafen Hahn fordert die sofortige Einstellung der amerikanischen Nachschubtransporte über den Flughafen Frankfurt-Hahn. Auf einem Flughafen, der mit Konversionsgeldern im dreistelligen Millionenbereich in einen zivilen Flughafen umgewandelt wurde, haben Militärflüge, selbst wenn diese unter dem Deckmantel einer "zivilen" Nutzung abgewickelt werden, nichts mehr zu suchen.

Kleinich, 22. August 2007
Bürgerinitiative gegen den Nachflughafen Hahn