Schutzgemeinschaft Erding-Nord, Freising und Umgebung e.V.

1. Vorsitzender Herbert Knur, Sattlerweg 10, 85459 Berglern

Telefon: 08762/72 11 72 (privat); 089/499992-0 (tagsüber)

Telefax: 08762/72 11 74 (privat); 089/49999222 (tagsüber)

e-Mail: knur-berglern@t-online.de (privat); h.knur@akademie-bayerische-presse.de (tagsüber)

                                                                                                    16. Mai 2002

Zum 10-jährigen ins Stammbuch

 Sehr geehrte Damen und Herren der Redaktion, 

ich weiß, dass ich spät dran bin. Aber vielleicht haben Sie morgen oder übermorgen eine kleine Ecke, in die Sie meine „Glückwünsche“ zum 10-jährigen Jubiläum des Flughafens im Erdinger Moos platzieren können. Vielen Dank.

 „Es wird viel gejubelt und gefeiert in diesen Tagen. Der Flughafen im Erdinger Moos wird zehn Jahre alt. Man wird es dem Vorsitzenden der Schutzgemeinschaft Erding-Nord, Freising und Umgebung e.V. nicht verübeln, dass er sich dem Jubel nicht anschließt. Im Gegenteil, ohne Spielverderber sein zu wollen, werde ich ein paar Spritzer Wasser in den Festwein zu gießen versuchen.

 Zehn Jahre Flughafen im Erdinger Moos sind nicht nur zehn Jahre Erfolgsgeschichte, wie uns das Hochglanzbroschüren, Festredner und Grußwortschreiber Glauben machen wollen. Zehn Jahre Flughafen bedeuten auch eine Entfremdung einer ganzen Region von sich selbst. Explosionsartige Einwohnerzuwächse, fehlende Kindergarten- und Schulplätze, finanziell röchelnde Gemeinden an den Randbereichen der Entwicklungsregion und aufgrund der unzureichenden Verkehrsinfrastruktur im Straßenverkehr erstickende Anwohner an überörtlichen Verkehrsachsen sind die andere Seite der Jubelmedaille. Hinzu kommen uneingelöste Zusagen von Politikern, die der Region während der Planungszeiten Vieles versprochen haben, damit sie die protestierenden „Ureinwohner“ ruhig stellen konnten. 35 Jahre nach Planungsbeginn für den Flughafen und zehn Jahre nach seiner Inbetriebnahme haben es die staatlichen Stellen noch nicht einmal geschafft, im Osten eine einfache, durchgängige Straßenanbindung zu bauen. Von der Anbindung des Flughafens über die Schiene ganz zu schweigen. Dafür gibt es siebzig Änderungsplanfeststellungsbeschlüsse, mit denen die Gigantonomie innerhalb des Flughafengeländes ohne Rücksicht auf das Umland sukzessive auf die Spitze getrieben wird. Und es gibt eine Nachtflugregelung, die es dem Flughafenbetreiber erlaubt, mit Ausnahme weniger Stunden die Nacht flugbetriebstechnisch zum Tage zu machen.

 Ich wünsche den Jublern nach den Feiern einen klaren Kopf, damit endlich erkannt wird, dass in dieser Region auch Menschen wohnen, die beim Dröhnen eines Flugzeugmotors keine Glücksgefühle empfinden. Vor allem die Gesellschafter der Flughafen München GmbH, insbesondere der Hauptgesellschafter Freistaat Bayern, sind gefordert, endlich auch die Bedürfnisse dieser Menschen ernst zu nehmen und nicht nur steigende Umsätze bei Starts, Landungen und Fluggästen im Kopf zu haben.

 Ich schreibe den Verantwortlichen ins Stammbuch, dem Flughafen nicht nur als Jobmaschine zu huldigen, sondern auch die Dampfwalzenfunktion zu erkennen. Wenn die Gesellschafter nicht schnellstens regionsverträgliche Entwicklungsziele für den Flughafen vorgeben, werden wir die Region bald nicht mehr erkennen. Die verantwortlichen Politiker und Flughafenmanager sind dann weg, die Bewohner der Region müssen aber in ihrer von der Dampfwalze platt gemachten Heimat weiter leben. Sie werden nicht mehr allzu viel Vertrauen in die Politik haben, die ihnen das gebracht hat.“

 Mit freundlichen Grüßen

  

Herbert Knur

1. Vorsitzender

1. Bürgermeister der Gemeinde Berglern