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16.12.2006
Ressort: Rhein-Sieg
Kreistag will weniger Fluglärm
Gutachten kontrovers diskutiert - Sorge um Arbeitsplätze am Airport

Passagierflugzeuge sollen von Mitternacht bis fünf Uhr nicht mehr starten und landen dürfen.

VON INGO LANG

Siegburg - Mit seinem Einwurf, in nur fünf Tagen habe er den immerhin zehnseitigen Antrag des Grünen Horst Becker zum Fluglärm zwar studieren, aber dessen Aussagen nicht alle verifizieren können, heizte FDP-Chef Rudolf Finke die Debatte im Kreistag an. Am besten sei deshalb, den Punkt zu vertagen, bis sich alle mit den Feinheiten hätten auseinander setzen können. Einmal mehr ging es im Kreistag um den Nachtflug am Flughafen Köln/ Bonn.

Ausführlich hatte Becker in seinen Erläuterungen zum Antrag auf die epidemiologische Studie abgehoben, deren Ergebnisse im November in Siegburg vorgestellt wurden. Professor Eberhard Greiser hatte die Daten von 809 000 Krankenversicherten mit Lärmdaten aus Messquellen rund um den Flughafen verglichen und erhöhten Verbrauch bestimmter Medikamente und vermehrtes Auftreten bestimmter Krankheiten festgestellt.

Daraus folgert Becker in seinem Antrag die Notwendigkeit, den nächtlichen Fluglärm zu senken. Zum Beispiel dadurch, dass in der so genannten Kernruhezeit zwischen Mitternacht und fünf Uhr in der Frühe keine Passagierflüge und ebenfalls nicht die ganz dicken und lauten Frachtbrummer starten und landen sollen.

Jürgen Becker von der CDU verwies darauf, dass die Auswertung der Datenflut in der Studie zunächst einmal nicht zu zulässigen Schlüssen führe und riet, erst einmal weiter zu forschen. SPD-Chef Peter Ralf Müller hob auf die wirtschaftliche Bedeutung des Flughafens ab, warnte davor, dass die geforderten Nachtflugverbote Tausende arbeitslos machen könnten. Sein Fraktionskollege Dietmar Tendler ergänzte, dass rund ein Viertel aller Beschäftigten dieses gigantischen Unternehmens aus dem Siegkreis stammten. Harald Eichner (SPD) merkte an, dass Professor Greiner selbst eingeräumt habe, dass die Studie Mängel habe. So seien Lärmwerte zum Teil nicht gemessen, sondern errechnet worden.

Horst Becker konterte mit dem Vorwurf der "Scheindebatte", die Haltung der SPD spreche für sich. CDU-Chef Dieter Heuel stellte klar, dass für seine Fraktion die Gesundheit der Bürger einen höheren Stellenwert als der Nachtflug habe. Landrat Frithjof Kühn stellte fest, dass zwar oft gefragt worden sei, ob Nachtfluglärm krank mache, aber man habe nie eine Antwort erhalten. Offensichtlich gebe es da jedoch "kausale Zusammenhänge".

Mit Mehrheit forderte der Kreistag schließlich die Landesregierung auf, die Lärmbelastungen zu senken, indem Passagierflugzeuge von Mitternacht bis fünf Uhr nicht mehr starten und landen dürften. Der entsprechende Antrag der Landesregierung sei umgehend dem Bundesverkehrsminister vorzulegen. Die Grünen-Forderung, in Anbetracht von Gesundheitsschäden durch nächtlichen Fluglärm die Nachtflugregelungen über 2015 hinaus nicht zu verlängern, milderte die CDU ab. Die Verlängerung solle "zunächst" zurückgestellt und der Nachtflug dann gestrichen werden, wenn eine Gesundheitsschädigung von ihm ausgehe.