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Der Flughafen Erfurt befand sich 1990 in einem desolaten
Zustand und entsprach nicht den nationalen und internationalen Anforderungen.
Für die DDR war er wegen permanenter Knappheit an Treibstoffen (obwohl das
russische Erdöl in Valutamark - ähnlich der DM - bezahlt werden musste, wurde
nicht genügend geliefert) und wegen seiner Nähe zu Westdeutschland (Gefahr der
"Republikflucht" von Bürgern) ein weniger interessanter Flughafen. Nur ca. 10000
Passagiere nutzten 1990 den Erfurter Flughafen. Laut Einigungsvertrag wurde er
1990 in die Liste der deutschen internationalen Verkehrsflughäfen aufgenommen.
Er ist nur durch eine Landstraße verkehrstechnisch erschlossen. Die in Ost -
Westrichtung verlaufende Start- und Landebahn sorgt dafür, dass ein Großteil der
Flugzeuge direkt über das nur 3,5km entfernt liegende Stadtzentrum von Erfurt
an- oder abfliegen müssen.
Es bestand die Möglichkeit, den Flughafen z.B. für
Kleinflugzeuge zu belassen und einen neuen Flughafen mit besserer Erschließung
oder aber eine neue Landebahn mit anderer Ausrichtung zu bauen, was für eine
starke Entlastung Erfurts von Fluglärm gesorgt hätte. Eine Notwendigkeit und
eine erreichbare Wirtschaftlichkeit sind bei der relativ geringen
Bevölkerungsdichte im Umfeld von Erfurt und die Nähe anderer größerer Flughäfen
(Leipzig, Nürnberg, Kassel) anzuzweifeln. Nach Beendigung der Sanierungs- und
Erweiterungsmaßnahmen am Erfurter Flughafen ist fast nichts mehr alt, die Kosten
erreichen wohl die Dimension einer vergleichbaren Neuanlage. Nur durch die
enormen Zuschüsse des Landes Thüringen war der Ausbau finanzierbar. Das Land
hält 95% der Anteile des Flughafens - die Zuschüsse für den Ausbau betragen
mehrere 100 Mio.DM. Diese Tatsache ist für uns Fluglärmbetroffene und
Steuerzahler nicht nachvollziehbar, da die Siedlungsnähe (nur ca.300m Abstand zu
Rollfeld und Startbahnende!) dem Expansionsbestreben des Flughafens immer
Probleme bereiten wird. Weitere Probleme sind die geografische Lage, die weitere
Ausbaumaßnahmen erschweren. (starke Geländeabfälle an den Startbahnenden).
Hauptmotor für den Ausbau war wahrscheinlich die Vorstellung, dass eine
Landeshauptstadt unbedingt einen internationalen Flughafen haben muss und die
allgemein verbreitete Aussage, dass ein Flugplatz viele Arbeitsplätze schafft.
Leider wurden in Erfurt und Umgebung nach der Wende wesentlich mehr
Arbeitsplätze vernichtet, als durch den Flughafen neu geschaffen. Lohnintensive
Arbeit wird in Billiglohngebiete verlagert. Der Transport über Luftfracht wird
durch Wettbewerbsvorteile gefördert - wie z.B. Befreiung von der
Mineralölsteuer.
Der Nachholbedarf bezüglich Tourismus und enormer
finanzieller Aufwand sorgten für stark steigende Passagierzahlen. 1999 lag das
Passagieraufkommen bei ca. 407 000 Fluggästen, davon ca. 53 500 im Linien- und
ca. 311 170 im Charterverkehr, der Rest privat bzw. geschäftlich.
Der Flughafen wurde anfangs in stets kleinen Maßnahmen
(Salamitaktik) erweitert und verbessert, wobei die betroffenen Anwohner nur
schleierhaft informiert wurden. Von der betroffenen Bevölkerung war kaum Ärger
zu erwarten, da anfangs noch eine DDR - Mentalität vorherrschte (Angst vor
Streit mit Regierenden und wegen der Politik "Wer gegen Flughäfen ist, ist gegen
Arbeitsplätze...").
Die Erweiterungsmaßnahmen führten schließlich zum
Planfeststellungsbeschluss zur Erweiterung des Internationalen
Verkehrsflughafens Erfurt.
Gegenstand der Erweiterung ist eine Verlängerung der
Startbahn auf 2,6 km, neue Abfertigungsanlagen - eine Kapazitätserhöhung auf
über 800 000 Passagiere, das Schaffen von wesentlich besseren Voraussetzungen
für Frachtflug und die Installation besserer Flugleiteinrichtungen.
Anfangs wollte die Stadt Erfurt gegen den Beschluss klagen,
doch ca. 2 Wochen vor Ende der Klagefrist stellte man fest, dass man nicht
klageberechtigt war.
In den verbleibenden 2 Wochen schafften wir es ca. 150
stark betroffene Bürger in einer Klägergemeinschaft zu vereinen. Ziel waren
Nachbesserungen des Planfeststellungsbeschlusses, besonders im Bereich
Schallschutz.
Der nach der Wende Anfang der 90er Jahre eingesetzte
Geschäftsführer des Erfurter Flughafens geriet Anfang 2006 unter öffentliche
Druck und gab seinen Posten auf.
Ihm wurde vorgeworfen, er habe mit falsch gemeldeten
Fluggastzahlen und Flugbewegungszahlen den weiteren Ausbau des Flughafens
mittels hoher Fördermittel durch das Land Thüringen erst ermöglicht.
Interessant ist zu wissen, dass der damalige
Geschäftsführer des Internationalen Verkehrsflughafens Erfurt, Herr Ballentin,
die Bürgerinitiative gegen den Ausbau des Flughafens Kassel - Calden mit seinen
Aussagen öffentlich unterstützte. Weitere Vorwürfe gegen den Ex - Flughafenchef
sind Mobbing und ständige Drohungen z.B. bezüglich Auslagerung von Arbeiten,
Personalabbau usw. |