Schutzgemeinschaft Fluglärm
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Sachstandsbericht von Ursula Wirtz, SGF,
zur JHV „Kampf dem Fluglärm NRW" am 25.04.2001

Verkehrsflughafen Dortmund-Wickede

Seit Januar 2000 liegt der Planfeststellungsbeschluß zur Aufstufung des bisherigen Verkehrslandeplatzes (mit einer noch nicht rechtskräftigen 1.450 m-Bahn / 55 t Höchstabfluggewicht) zum Verkehrsflughafen vor. Die sofortige Vollziehung wurde ausgesprochen. Die 4 von Privaten sowie die der Nachbarkommunen Unna und Holzwickede eingereichten Klagen haben keine auf-schiebende Wirkung.

Seit Oktober 2000 verfügt der Flughafen über:

  • 2.000 m Start- und Landebahn mit 300 m versetzten Schwellen
  • Startbahn-Breite von 45 m
  • Höchstabfluggewicht 75 t
  • Beibehaltung der Betriebszeit von 6.00 bis 22.00 Uhr
  • „Anpassung" der Vorfelder und Rollwege, ILS-System,
  • Gleitwegsender beide Landerichtungen 24 und 06 (06 z.Zt. noch nicht in Betrieb),
  • Neubau eines Terminals für - lt. Flughafen GmbH - jährlich 2 Mio. Passagiere, mit 30 Abfertigungsschaltern, last-minute-Angeboten etc..

Ausbaukosten lt. Flughafen GmbH 350 Mio. DM, zuzüglich je 20 Mio. DM Landes- und EU-Mittel, deren strittige Bewilligung zur rot-grünen Koalitionskrise in Düsseldorf führte.

Unbekannt ist ferner die finanzielle Größenordnung für den Aufkauf von mehr als 110 ha Ackerland, ferner von ca. 20 Privatgrundstücken und -häusern. Teils hat die Stadt Dortmund als Teilhaberin von 24,2 % an der Flughafen GmbH die Grundstücksaufkäufe vorgenommen.

Die dem Ausbau zu Grunde liegenden Gutachten (datierend aus d. Jahre 1992) untersuchten den Bedarf für den Geschäftsreiseverkehr, gingen von 100-sitzigen Maschinen aus und prognostizierten rd. 1,5 Mio. Passagiere (davon 250.000 Touristen) für das Jahr 2010!

Nachdem im Jahre 2000 über 700.000 Passagiere gezählt wurden, soll bereits mit Abschluß dieses Jahres die 1 Mio.-Grenze überschritten werden, auch wird bereits mit 1,4 Mio. für das lfd. Jahr spekuliert! Eine Aufgliederung in die Ge-schäftssparten erfolgt seit diesem Jahr nicht mehr!

Auch wenn der Flughafenausbau immer mit der Notwendigkeit für den Ge-schäftsreiseverkehr begründet und im Rat der Stadt Dortmund durchgesetzt wurde, hat die Öffentlichkeit nie Zweifel am tatsächlichen Ausbauziel geäußert: Ankurbelung des Tourismusverkehrs.

War noch in der Plangenehmigung für die 1.450 m-Bahn im Jahre 1997 die Notwendigkeit für den Einsatz größerer und schnellerer (Düsen-) Maschinen für die Strecken München, Berlin und Leipzig ausgeführt worden, entpuppte sich dieses Argument sehr schnell als fadenscheinig: die zum Einsatz gekommene vierstrahlige BAe 146 (mit 92 Sitzen) flog wochentags (nur) nach München, düste am Wochenende bereits gen Mallorca und nach Tunesien.

Diese Entwicklung potenziert sich mit der 2.000 m-Bahn und der neuen Genehmigung. Neben den vagen Versuchen, Linienverbindungen nach Wien, Mailand und Kopenhagen aufzubauen, sind etliche Ziele rund ums Mittelmeer im Programm. Während des Sommers werden noch weitere Gesellschaften und neue Ziele hinzukommen.

Wie von uns seit Jahren behauptet: der Geschäftsreiseverkehr ist rückläufig. Das zeigt sich auch am Beispiel der Fluggesellschaft „Eurowings". Die bisher - lt. Presse - „erfolgreich" operierende Fluggesellschaft geriet offenbar in Turbulenzen. Die Lufthansa stieg mit 24,6 % als Anteilseignerin ein, begehrt ihr Kapital auf knapp 50 % aufzustocken. Noch spielt das Kartellamt nicht mit, befürchtet eine marktbeherrschende Position der Lufthansa. Eurowings bekundet dringende Notwendigkeit für diese Allianz, da sonst Arbeitsplätze in Gefahr gerieten. Bis September soll eine Einigung herbeigeführt werden.

Als „faules Ei" im Osternest hat die Flughafen GmbH am Ostersamstag ihren Antrag auf „Karenzregelung" für Landungen zwischen 22.00 und 24.00 Uhr der Öffentlichkeit präsentiert: künftig sollen in diesem Zeitraum täglich höchstens 6 und insgesamt jährlich nicht mehr als 500 Flugzeuge die nächtliche Ruhezeit „beleben". Die Landungen sollen „lediglich" für Maschinen gelten, die aus den verschiedensten Gründen die pünktliche Landung innerhalb der regulären Betriebszeit verpassen.

Die Flughafen GmbH bedient sich für ihren Antrag lediglich eines Lärmgutachtens von Dr. Wölk, der keine Belastungszunahme ermittelt, sondern ganz im Gegenteil eine - allerdings fast nicht darstellbare - Verringerung der 62 dB(A) Zone.

Die Empörung / Verbitterung in der Bevölkerung ist groß, das Medieninteresse riesig. Da die Bezirksregierung Münster bisher alle Anträge der Dortmunder Flughafen GmbH genehmigt hat, müssen wir uns auch auf diese einstellen - und ein Eilverfahren vor dem OVG einkalkulieren.

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siehe auch Betriebsgenehmigung

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Letztes Update: 23.09.2001