Informationen - Hintergründe - Zahlen
Nach 3 Jahrzehnten ununterbrochener Expansionspolitik gönnt die
Flughafen Dortmund GmbH uns eine Atempause:
Erstmals in der 30-jährigen Geschichte sind keine akuten Pläne
bekannt, etwa hinsichtlich einer Betriebszeitenausweitung. Dennoch
sind wir skeptisch, denn die Salami ist längst nicht aufgeschnitten
Danken möchten wir an dieser Stelle all denjenigen, die im Herbst
vergangenen Jahres im Dortmunder Kommunalwahlkampf unsere Arbeit aktiv
unterstützt haben. Rund 10.000 Info-Blätter mit den Musterbriefen
zur Kandidatenbefragung sind schwerpunktmäßig in den südlichen
Stadtteilen verteilt worden. Einige Hundert Bürger/innen haben
sich der Mühe unterzogen und per Briefpost oder E-Mail ihre Fragen
versandt. Mit dem erfreulichen Ergebnis, dass sich alle angeschriebenen
Kandidat/innen gegen eventuell weitere Ausbauabsichten und Betriebszeiten-Erweiterungen
ausgesprochen haben. Auch verankert die geschlossene Vereinbarung zwischen
SPD und GRÜNEN diese beiden Punkte. Wörtlich heißt es:
"SPD und GRÜNE stellen sicher, dass es in dieser Wahlperiode
am Dortmunder Flughafen weder zu einer Ausweitung der Betriebszeiten
noch zu einem Ausbau der Start- und Landebahn kommen wird."
Zwar wissen wir aus leidvoller Erfahrung, dass im Dortmunder Rathaus
politische Zusagen hinsichtlich einer restriktiven Flughafenpolitik
allenfalls Bestand bis nach der nächsten Wahl haben, dennoch lassen
die folgenden Fakten die Hoffnung auf eine Expansionspause zu:
- Der gigantische und pompöse Ausbau hat die Flughafengesellschaft
und damit die Dortmunder Stadtwerke in arge (finanzielle) Bedrängnis
gebracht. Klettern doch die Defizite in schwindelerregende Höhen,
so von 18, 2 Mio. in 2003 auf 28,5 Mio. € in 2004. Tendenz weiter
steigend! Der Stadt und ihren Bürger/innen entgehen dringend
benötigte Steuereinnahmen.
Aber damit nicht genug: die Stadtwerke haben die Preise der Energieversorgung
und für Wasser erhöht, so dass wiederum die privaten und
gewerblichen Haushalte belastet werden. Ein Teufelskreis, der auf
absehbare Zeit nicht zu durchbrechen ist. Denn selbst die Aquirierung
neuer Gesellschaften und Linien durch das spezielle Förderprogramm
NERES* bringt zwar mehr Flugverkehr, steigert aber das Defizit,
weil die Gebühren nicht kostendeckend sind.
Zu *NERES schreibt die Flughafen GmbH auf ihrer Internet-Seite
unter anderem.:
"Der Flughafen fördert die Aufnahme des Linienflugbetriebes
mit Hin- und Rückflügen auf einer neuen Verbindung sowie
den Ausbau einer in dieser Form bedienten bestehenden Verbindung
durch zusätzlich Umläufe. Die geförderte Maßnahme
ist zwischen dem 1. Juli 2004 und dem 31. Dezember 2008 vorzunehmen.
Der Mindestladefaktor ist ein durchschnittlicher Ladefaktor
für die auf einer geförderten Ver-bindung eingesetzen
Flugzeuge von mindestens 75 %."
Die Flugzeuge werden
in Sitzplatzkategorien eingeteilt und mit auch zeitlich gestaffelten
Entgelten pro abgefertigtem Passagier gelockt:
Z.B.:
- Kategorie 1 (mind. 140 Sitzplätze) vom 01.07.04
- 30.06.05 = 5,00 €, vom 01.07.05 - 30.06.06 = 6,75 €,
vom 01.07. 08 - 30.06.09 = 7,50 €
- Kategorie 3 (mind. 70 Sitzplätze) in diesen Zeiträumen
11,--, bzw. 11,75 bzw. 12,25 €.
- Kategorie 5 (weniger als 40 Plätze)* wird durchgehend
mit 25 € belegt.
(* Diese Kategorie wird z.Zt. von der Fa. Walter im Geschäftsreiseverkehr
bedient.)
Dieser Vergleich zeigt, dass die Zielrichtung die Anwerbung
von großen Touristikfliegern ist!
- Die als Ausbaubegründung propagierten Arbeitsmarkteffekte -
wissenschaftlich widerlegt durch das Wuppertal Institut und von uns
immer bezweifelt - sind ausgeblieben. Im Gegenteil: die Firma "eurowings"
ist in der "Lufthansa" auf- und von Dortmund fortgegangen,
so wie die Billigflieger-Tochter "Germanwings" nach Köln.
Die Werft ist geschlossen, sie wird allenfalls stundenweise vermietet.
Ein Teil der Büroräume steht leer. Auch die Flughafen GmbH
fährt ein striktes Sparprogramm - beim Personal. Auf ihrer aktuellen
Internetseite bietet sie gerade einmal 1 Ausbildungsplatz ab September
an!
- Die Hoffnungen Vieler auf einen Arbeitsplatz am Flughafen sind
zerplatzt wie Seifen-blasen.
- Die Arbeitsplatz-Argumente, als Effekthascherei enttarnt, sind fortan
für eine politische Diskussion über weitere Ausbaumaßnahmen
untauglich.
- Die (von der Stadt) aufgekauften Privatgrundstücke an der Chaussee
sollten als "flughafenbezogene" Gewerbeflächen vermarktet
werden: Fehlanzeige.
- Auch das Frachtzentrum erfüllt nicht die Erwartungen."Erfolgsmeldungen"
in der Presse von enormen prozentualen Zuwächsen verschleiern
die rückläufige Tendenz: nämlich 5.267 t in 2003 gegenüber
5.518 t in 2001 (s. Internetseite Flughafen).
- Neue Fluggesellschaften und -ziele kommen und gehen schneller als
Düsenjets fliegen können. Billgfluglinien - über Jahre
in Abrede gestellt - sind die letzten Strohhalme. Manfred Kossack,
der "neue" Flughafen-Chef und Hoffnungsträger von Stadtwerke-Boss
Harald Heinze, ist zum Erfolg verdammt - seiner eigenen Karriere wegen.
Wie sonst ist es zu erklären, dass man Billigflieger zu Dumping-Preisen
(s. oben) anlockt, welche die Emissionen steigern und das Defizit
weiter in die Höhe treiben. Flugverkehr um jeden Preis - in doppelsinniger
Bedeutung!
- Auch die Nachbar-Flughäfen Paderborn/Lippstadt und Münster/Osnabrück
- beide ohne Billigfluglinien - kämpfen um Passagiere. Für
den Internationalen Flughafen Münster ist der Planfeststellungsbeschluss
ergangen, der eine Verlängerung der Bahn von derzeit 2.200 auf
3.600 m vorsieht. Wann gebaut wird, ist ungewiss - es fehlt das Geld.
In Paderborn will man die Bahn um 400 m verlängern, um den Jets
bei ihren Flügen z.B. nach Ägypten einen teuren Tank-Zwischenstopp
zu ersparen. Auch der Flugplatz Mönchengladbach soll ausgebaut
werden und Düsseldorf entlasten!
Der Flughafen-Wahn mit seinen ökologischen und finanziellen Folgen
für die Bürger/ innen ist Folge der u.E. verfehlten NRW-Luftverkehrskonzeption.
Wir wollen mit einer karikierenden Postkartenaktion im Landtagswahlkampf
(vor dem 22. Mai) auf die Folgen für Dortmund aufmerksam machen.
Verteiler/innen gesucht!
Die Flugpläne der NRW-Flughäfen können Sie vergleichen
unter:
WDR III - TV - Videotexttafeln 560 bis 569 (Dortmund: 568 und 569).
Die seit 30 Jahren geforderte und im letzten Jahr wieder aktuell diskutierte
"Novellierung des Fluglärmgesetzes" ruht wieder. Wieder
einmal konnten sich Umweltminister und Umweltbundesamt sowie die Umweltschutzverbände
(BUND, VCD, Bundesvereinigung gegen Fluglärm u.a.) gegen die wirtschaftlichen
Interessen der Flughafenlobby mit den Ministern Clement und Stolpe als
Unterstützer nicht durchsetzen. Die "Bundesvereinigung gegen
Fluglärm" hat mit einer "Rote-Karten-Aktion" (an
der wir uns mit 12.000 Stück beteiligten) die Forderungen der Betroffenen
artikuliert. Darüber hinaus hat sie bei der Anhörung in Godesberg
vor dem Verkehrsausschuss des Bundestages ihre Sachbeiträge geleistet.
Auch wir haben mit einer Stellungnahme "Die besondere Bedeutung
der Novellierung
für die Betroffenen am Flughafenstandort
Dortmund-Wickede" unseren Beitrag in der Diskussion geleistet.
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