Schutzgemeinschaft Fluglärm

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Aufbruch im Revier

Interview in der Zeitschrift Aero
 
"Die Lage dort eignet sich eher für einen Weinberg als für einen Flughafen." So die nicht ganz ernst gemeinte Bemerkung von Eurowings-Geschäftsführer Santner über einen der Heimatflughäfen seiner Gesellschaft.
 
Zwar stört in Dortmund - anders als ehedem in Stuttgart die Weidacher Höhe - kein Berg den Anflug, aber dafür ist das Gelände so beschaffen, daß die Start und Landebahn einige Meter tiefer liegt als die Flughafengebäude und das Vorfeld.
 
Ein Umstand, der zwar den Flugbetrieb nicht behindert, der aber die architektonische Gestaltung des Terminals einschränkt, denn unbegrenzt in die Höhe bauen darf man nicht in Dortmund.
 
Neben den drei bzw. vier, wenn es die finanzielle Lage zuläßt, Fluggastbrücken, an denen Flugzeuge bis zur Größe der A320 andocken sollen, sind sechs bis acht sogenannte Commuter Gates auf dem bereits errichteten östlichen Vorfeld vorgesehen.
 
Das leidige Problem Startbahn
 
Weil einerseits abzusehen war, daß bis zur Realisierung dieses Vorhabens (2.000 m Startbahn) noch einige Jahre ins Land gehen würden, der Flughafen andererseits aufgrund der Startbahnlänge nur von Turboprops angeflogen werden konnte, beschloß man, kurzfristig Abhilfe zu schaffen.
 
Da für geringfügige Veränderungen ein Plangenehmigungsverfahren ausreicht, wurde beschlossen, auf diesem Weg eine Verlängerung der Start- und Landebahn auf 1.450 m zu erreichen - durch Einbeziehen der je 200 Meter langen Startabbruchstrecken zu beiden Enden der Bahn. Die Rollwege, die zu den bisherigen Endpunkten der Bahn führen, werden dagegen nicht verlegt. Eine derart weitgehende Veränderung würde nicht mehr vom Genehmigungsverfahren erfaßt und damit die Nutzung der zusätzlichen 400 Meter in Frage stellen.
 
Politische Kontroversen
 
Es sei einmalig in Europa, stellt Eurowings Boß Santner fest, daß eine so große Stadt nicht oder nur unzureichend an das moderne Verkehrsmittel angebunden sei.
 
Doch der heutige Flughafen hat von Anfang an mit Beschränkungen und Anfechtungen leben müssen.
 
Es laufen nun Klagen der Nachbargemeinde Holzwickede gegen die Verlängerung auf 1.450 Meter.
 
Dort ist man der Meinung, daß der bisherige Flughafen für Geschäftsreiseverkehr durchaus ausreichend ist. Auf zusätzlichen Charterverkehr legt man keinen Wert. Flughafenchef Heinz Nunkesser ist jedoch zuversichtlich, daß der Flughafen auch diese Hürde meistern wird. Bislang habe man schließlich noch jedes Gerichtsverfahren gewonnen.
 
Alleskönner am Werk
 
Der Flughafen mit seinen mittlerweile 95 Beschäftigten ist zur Sparsamkeit gezwungen, weil man entstehende Kosten nicht ohne weiteres auf die Kunden - also die Airlines vor Ort - abwälzen kann.
 
Um die Personalkosten gering zu halten, sind die auf dem Vorfeld beschäftigten Flughafenmitarbeiter deshalb keine Spezialisten, sondern werden zum Be- und Entladen der Flugzeuge ebenso eingesetzt wie zum Fahren der Tankwagen und Busse. Und sollte es einmal einen Zwischenfall geben, müssen sie gegebenenfalls das Reisegepäck fallen lassen und zu den Löschfahrzeugen laufen.
 
Tourismus - nein Danke?
 
Im Zuge der Ausbaumaßnahmen gibt es zwangsläufig auch Überlegungen, inwieweit man sich im Touristikgeschäft etablieren kann. Denn daß sich die Airlines vor Ort natürlich Gedanken machen, wie sie ihre unter der Woche von Dortmund eingesetzten Maschinen auch am Wochenende nutzen können, ist nicht weiter verwunderlich.
 
Dennoch halten sich die Verantwortlichen mit Äußerungen in dieser Richtung stark zurück. Sicherlich auf der einen Seite, um Ängste und Vorbehalte der Flughafengegner nicht weiter zu schüren. Andererseits ist man sich darüber im klaren, daß es bei der starken Konkurrenz aus Düsseldorf gar nicht so leicht sein wird, ein interessantes Angebot auf die Beine zu stellen.
 
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Letztes Update: 20.08.1998