Schutzgemeinschaft Fluglärm

Dortmund - Kreis Unna e.V.
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Aktuelle Nachrichten und Informationen
- September 1998 -

 
1.500 Flugplatz-Gegner protestierten gegen den Ausbau des Dortmunder Flugplatzes
1500 Menschen protestieren gegen den Ausbau des Fughafen Dortmund
Der Sternmarsch des Aktionsbündnis gegen den Ausbau des Dortmunder Flugplatzes am 13.09.1998 mobilisierte viele Fluglärm-Betroffene

 

 
 
Dieser Flugplatz ist eine Bedrohung
für die Menschen in dieser Region

 

Rede vom Unnaer Vize-Bürgermeister Volker Weidner bei der Kundgebung gegen den weiteren Ausbau des Flughafen Dortmund am 13.09.1998:
 
Seit über 20 Jahren erleben, erdulden und erleiden wir Bürger in Unna die Auswirkungen der von Größenwahn geprägten Politik der Dortmunder Kommunalpolitik und der rücksichtslosen Landespolitik.
 
Seit über 20 Jahren wächst dort heran, was zunächst nur klein war und in seinen langfristigen Auswirkungen nur von wenigen wahr- und ernstgenommen wurde, nun ist das Krebsgeschwür gewuchert, von einem Landeplatz zu einem Verkehrsflughafen.
 
Unerträgliche Salamitaktik
 
Gefördert wurde und wird dies durch die unerträgliche Salamitaktik der Geschäftsführer der Flughafen GmbH.
 
Wer die Entwicklungs- und Handlungslinien der Verantwortlichen in Dortmund und ihre freimütigen Erklärungen zu den Zielsetzungen des Verkehrslandeplatzes aufmerksam verfolgt, kann unschwer erkennen, daß die Entwicklung in den Köpfen der Herren Drabig und Hovermann noch nicht beendet ist.
 
Einbuße an der Lebensqualität
 
Die Qualitätsveränderung des Flugplatzes, die zunehmend eine Einbuße an der Lebensqualität für die Menschen bedeutet, ist an den objektiven Zahlen nachweisbar. Ich will sie hier nicht zum wiederholten Male anführen, wir alle wissen, daß es sich ohnehin um Momentaufnahmen handelt, die von den Realitäten täglich korrigiert werden.
 
Festzuhalten ist, ein Ausbau der Start- und Landebahn ergibt sich eindeutig nicht aus den Bedürfnissen des regionalen Geschäftsreiseverkehrs. Erst die Weiterentwicklung von Touristikverkehr führt zu den angestrebten Steigerungsraten. Es ist geradezu zynisch, angesichts der besonderen Situation des Dortmunder Flugplatzes mit seiner räumlichen Lage im hochverdichteten Ballungszentrum und vier konkurrierenden größeren Flughäfen im Umkreis von 80 Kilometern mit freien Kapazitäten, eine entsprechende Ausbauplanung anzustreben.
 
Der Fluglärm ist das zentrale Problem
 
Die Auswirkungen des Fluglärms stellen das zentrale Problem des Ausbauvorhabens im verdichteten Siedlungsraum dar.
 
Als Bürgermeister der Stadt Unna will ich hier gern einmal darauf hinweisen, daß der Stadtteil Massen mit 12.000 Einwohnern und hiervon 3.200 in Ober-Massen besonders betroffen sind.
 
Die Stadt Unna hat ein lärmpsychologisches Gutachten zu den Auswirkungen des Ausbaus bei Professor Guski in Auftrag gegeben und vorgelegt.
 
Daraus ist abzulesen, daß die Grenzwerte im Bereich der Ortsmitte von Ober-Massen erreicht und am westlichen Ortsrand deutlich überschritten werden. Das bedeutet eine unzumutbare Belastung, vor allem für dieses Wohngebiet, mit den zu erwartenden langfristigen gesundheitlichen negativen Auswirkungen wie psychologische Belastungen, Kommunikationsstörungen, Lärmstreß und Herz- Kreislaufschädigungen etc.
 
Durch den Flugplatzausbau mit vergrößerten Lärmzonen und Ausweisung eines großen Bauschutzbereiches erfolgt ein erheblicher Eingriff in die kommunale Planungshoheit, der durch die Stadt Unna strikt abgelehnt wird.
 
Bislang vorgelegte Umweltverträglichkeiststudien sind völlig unzureichend
 
Der Flugplatzausbau hat unmittelbare Auswirkungen auf die Umwelt, die bislang vorgelegten Umweltverträglichkeiststudien sind nach Auffassung der Stadt Unna völlig unzureichend und methodisch und konzeptionell nicht haltbar.
 
Änderung des umgebenden Straßensystems
 
Einen wichtigen Punkt möchte ich noch ansprechen:
 
Als Folge des Ausbaus ist eine Änderung des umgebenden Straßensystems erforderlich. Diese Straßenneubau- und Verlegungsplanungen werden ausschließlich durch die verkehrlichen Bedürfnisse des Flughafenausbaus ausgelöst und können daher nicht unabhängig in isolierten Bauleitplanverfahren sondern nur innerhalb eines einheitlichen Planfeststellungsverfahrens behandelt werden.
 
Wenn über 1,5 Millionen Passagiere pro Jahr aufgrund der defizitären ÖPNV- Anbindung überwiegend mit dem Auto anreisen, entsteht zwangsläufig eine höhere Verkehrsbelastung.
 
Unna klagt für seine Bürger
 
Die Stadt Unna steht an der Seite ihrer Bürger.
 
Bereits gegen die 1050m-Bahn hat die Stadt Unna geklagt.
 
Ebenso führen wir Klage gegen die 1.450m-Bahn. Der Erlaß einer einstweiligen Verfügung ist durch das OVG abgelehnt worden.
 
Im Verfahren für die 2.000m-Bahn läuft das Planfeststellungsverfahren, hierzu hat die Stadt Unna eine umfangreiche Stellungnahme abgegeben, und zur Untermauerung zwei Gutachten zur Lärmproblematik und zu den medizinisch psychologischen Auswirkungen in Auftrag gegeben.
 
Um die Bürger in den Stand zu setzen, Einwendungen formulieren zu können ist im Juli des letzen Jahres zusammen mit der Schutzgemeinschaft eine große Veranstaltung in der Stadthalle in Unna durchgeführt worden.
 
Über 27.000 Einsprüche, 1.080 individuell begründete, sind ein sichtbares Zeichen des Erfolges.
 
Die Stadt Unna hält die in dem Planfeststellungsverfahren angestrebten Ausbaustandards als nicht vereinbar mit der landesplanerischen Zielsetzung und wird als nicht stadt- und umweltverträglich angesehen.
 
Aufgrund der im Ballungsraum entstehenden Belastungen durch den Flugverkehr muß sich die Flugplatzentwicklung an dem Maß orientieren, das für die Region sinnvoll und zumutbar ist.
 
Eine Orientierung an maximal erzielbarem Passagieraufkommen ist unzulässig.
 
Der Ausbau des Verkehrslandeplatzes wird wegen nicht nachgewiesenen Bedarfs und unzumutbaren Fluglärmbelastungen der umgebenden Stadtteile, insbesondere von Massen, abgelehnt.
 
Die Stadt Unna fordert daher die Aufgabe der Ausbauplanung und die Einstellung des Planfeststellungsverfahrens.

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Jetzt ist Sabbat,
denn Sabbat heißt aufhören


 

Rede des Superintendenten Alfred Buß, Unna bei der Kundgebung gegen den weiteren Ausbau des Flughafen Dortmund am 13.09.1998:
 
Jetzt ist aber Sabbat pflegen wir zu sagen, wenn's uns reicht, wenn etwas an ein Ende kommt, wenn Schluß zu machen ist: Jetzt ist Sabbat.
 
Ein treffenderer Ausdruck läßt sich kaum finden, wenn es um das Ende der Ausbaupolitik an diesem Flughafen geht, denn das Wort Sabbat heißt aufhören. Sabbat meint nicht aufhören mit diesem oder jenem, sondern aufhören zu arbeiten, und das heißt aufhören in die Schöpfung einzugreifen, Ruhe geben. Dieser Flughafen und die Ausbau-Salamitaktik der Flughafen GmbH sind ja ein Symbol dafür, daß heutzutage nichts mehr aufhören kann. Alles muß wachsen, muß immer größer werden, kolossaler. Es scheint den Machern nichts bedrohlicher als das Aufhören solchen Wachstums.
 
Da wird ein Touristikflughafen mitten zwischen dichtbesiedelten Wohngebieten ausgebaut; Mittelstreckenflüge sollen Urlauber auf die Sonnenseite des Lebens bringen. Das Argument, hier müsse ein moderner Flughafen für die künftige Geschäftswelt vorgehalten werden, zieht doch längst nicht mehr: bei vier Großflughäfen in Nordrhein-Westfalen und einem ICE, der von Dortmund aus in wenigen Stunden alle Ziele in Deutschland und im nahen Europa erreicht. Kurzstreckenflüge sind ökologisch überhaupt nicht vertretbar.
 
Superintendenten Alfred Buß, Unna
Superintendenten Alfred Buß, Unna
 
Gedenke des Sabbats, daß du ihn heiligst, heißt es in den 10 Geboten. Der siebente Tag als Ruhetag ist einer der genialsten Gedanken der Weltgeschichte und ein Geschenk der jüdischen Tradition auch an uns. Der Sabbat ist der siebente Tag als Ruhetag, doch der Sabbatgedanke reicht tiefer: Das Sabbatgebot erinnert uns daran, daß wir aufhören müssen. Es ist, als riefe es uns zu: Ihr Menschen! Alles geht bei euch immer weiter und wird größer: die Wirtschaft, der Wohlstand, der Verkehr und vieles mehr. Aber eure Erde ist endlich. Ihr könnt nicht immer das Letzte herausholen wollen, ohne daß die Erde und ohne daß ihr selber Schaden nehmt.
 
Dieser Flughafen wird ausgebaut, damit Touristen in Urlaub fliegen können. Urlaub bedeutet Sabbat: aufhören mit Arbeit. Doch welch ein Widerspruch in sich: Müssen Hunderttausende im östlichen Ruhrgebiet mit Fluglärm, zusätzlichem Straßenverkehr und Emissionen belastet werden, weil auch im Urlaub noch das Letzte herausgeholt werden muß? Unterliegt denn der Urlaub auch dem Lebensstreß? Was ist das für eine erbärmliche und ruhelose Arbeits- und Freizeitwelt! Man sollte meinen, daß der Mensch weiß, was ihm guttut, daß er fürs Aufhören, fürs Ruhen kein Gebot braucht, das ihm sagt, was gut für ihn ist. Doch er braucht das Gebot. Er braucht den Hinweis auf den Sabbat: daß es ein Segen ist, mit etwas aufzuhören und daß es ein Fluch ist, nicht aufhören zu können. Diese Wahrheit erleben wir zur Zeit an diesem Flughafen. Darum, liebe Freundinnen und Freunde: hier gilt es, dafür zusammenzustehen, daß dieser Ausbau aufhört. Jetzt ist Sabbat!

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Tausendfacher Protest gegen den Ausbau

 

Bericht im Hellweger Anzeiger vom 14.09.1998:
 
1500 Menschen protestieren gegen den Ausbau des Fughafen Dortmund
(kri) Wind und Kälte konnten die Flugplatz-Gegner nicht schrecken. Gestern Vormittag setzten sie laut und deutlich und mit großen Schritten Zeichen für ihren Protest gegen jeden weiteren Ausbau-Schritt am Dortmunder Flugplatz. Zwischen 1.500 und 2.000 Teilnehmer zählte diese größte Demonstration der vergangenen Jahre. Die "Werbetrommel" zur Teilnahme hatte der Veranstalter, die Schutzgemeinschaft Fluglärm, offensichtlich erfolgreich gerührt. Ins Boot geholt hatten sie außerdem alle Ratsfraktionen der Stadt Unna, die ebenfalls zum Sternmarsch aufgerufen hatten.
 
Los ging's von fünf Startpunkten aus. In Unna-Massen an der Provinzialstraße trafen sich allein 900 bis 1.000 Marschierer. "Das war wohl der größte Anteil. Die Leute kamen aus Massen, aus Königsborn und selbst aus den Ostgemeinden", zeigte sich CDU-Ratsherr Fritz Mackels zufrieden. "Richtig so. Der Protest gegen den Flugplatz muß schließlich aus ganz Unna getragen werden." Aus den drei östlichen Dortmunder Ortsteilen Brackel, Asseln und Wickede zogen ebenfalls Demonstranten Richtung Flugplatz, gleichfalls eine kleine Gruppe aus Holzwickede. Riesige Transparente, Plakate mit Aufschriften "Wenige Fliegen - Viele leiden", "Der Flugplatz muß weg, er bringt nur Dreck" oder "Fliegen kann schön sein - Gesundheit ist besser" trugen die Sternmarschierer mit sich. Auch laute Trommeln, Trillerpfeifen und Rasseln begleiteten den Zug. "Es sollte ja auch kein Trauer- oder Schweigemarsch werden. Wir haben schließlich Hoffnung, daß wir einiges erreichen können", betonte Mitorganisator Helmut Papenberg aus Unna.
 
Nach einer Stunde Marsch trafen sich die fünf Gruppen schließlich vor dem Flugplatz. Die Polizei riegelte allerdings das Gelände ab. Leckere Erbsensuppe, Würstchen, Getränke, auch ein Puppenspiel für die zahlreichen kleinen Marschierer waren dort von der Schutzgemeinschaft vorbereitet worden. In der Abschlußkundgebung traten schließlich alle Redner aus Unna - Superintendent Alfred Buß und Vize-Bürgermeister Volker Weidner - und Dortmund gegen jeglichen weiteren Ausbauschritt des Flugplatzes ein.

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Letztes Update: 31.01.1999